Eheprobleme / Lebensprobleme / Berufsprobleme
Im Alltag gibt es immer wieder Probleme und Situationen, die schwer selber zu meistern sind, in denen man sich niemandem anzuvertrauen wagt oder niemandem anvertrauen kann und man doch froh um eine andere Meinung, um seelische Unterstützung und um Verständnis wäre:

  • Partnerschafts- und Eheprobleme
  • Probleme am Arbeitsplatz
  • (übermässig) belastende Mutterrolle ohne Anerkennung und Unterstützung
  • Probleme mit einer unerwünschten oder schweren Schwangerschaft
  • Verarbeitungsprobleme nach Schicksalsschlägen wie Todesfälle, Unfälle, Vergewaltigung, Verbrechen, Bedrohung
Körperliche Erkrankung und Behinderung

In solchen Lebenssituationen kann ein Gespräch mit einer Fachperson sehr hilfreich sein. PsychotherapeutInnen hören Ihnen dabei anders zu als eine Freundin oder ein Freund. Aufgrund der therapeutischen Ausbildung haben sie gelernt, Ihnen vorurteilslos zuzuhören, zwischen den Zeilen zu lesen bzw. zwischen den Worten zu hören. Sie haben gelernt, mit Problemen anderer Menschen umzugehen, ohne sich gleich darin zu verstricken. Sie arbeiten in der Mehrzahl aus "Berufung" und sind an Ihrem Wohlergehen und der Lösung Ihrer Probleme wirklich interessiert.


 

Nervenzusammenbruch
In der Fachsprache der PsychotherapeutInnen gibt es keinen "Nervenzusammenbruch". Zusammenbrüche, die vom Publikum als "Nervenzusammenbruch" bezeichnet werden, haben in der Wirklichkeit ganz verschiedene Gesichter und auch verschiedene Ursachen. Angefangen von einem Schicksalsschlag (etwa Verlust eines lieben Menschen), Mobbing am Arbeitsplatz bis zum Ausbruch einer Schizophrenie kann alles dahinter stecken.

Bei einem solchen Zusammenbruch entlädt sich ein oft sehr lange andauernder Spannungszustand plötzlich und heftig. Der seelische Aufruhr kann innert kurzer Zeit wieder abflauen, später erneut auftreten oder in eine psychische Krankheit übergehen.

Wichtig ist, dass Menschen mit einem Nervenzusammenbruch nicht alleine gelassen werden, weil sie sich allein oft nicht mehr zu helfen wissen und gelegentlich auch zu „Kurzschlusshandlungen“ (Selbstmordabsicht) neigen. Äusserungen von Selbstmordgedanken müssen immer sehr ernst genommen werden. Niemand „droht“ einfach damit, es stecken hinter solchen Aussagen immer Hilferufe. Menschen mit solchen Äusserungen bringen sich nachweisbar häufig um oder versuchen dies zumindest.

Da der Nervenzusammenbruch in aller Regel nur die Spitze des Eisberges ist, sollte mit Hilfe einer Psychotherapie der Störung auf den Grund gegangen werden.

Selbstmordgefahr
Es ist wichtig, Menschen mit geäusserten oder befürchteten Selbstmordabsichten nie alleine zu lassen. Äusserungen von Selbstmordgedanken müssen immer sehr ernst genommen werden. Niemand "droht" einfach damit, es stecken hinter solchen Aussagen immer Hilferufe. Menschen mit solchen unerhörten bzw. nicht ernst genommenen Äusserungen bringen sich nachweisbar viel häufiger um, als solche, die eine solche Absicht für sich behalten.
Menschen, die Selbstmordabsichten äussern und vor allem solche, die angeben, an nichts anderes mehr denken zu können, gehören unbedingt sofort in ärztliche (psychiatrische) Behandlung und dies auch nachts oder an Sonn- und Feiertagen. Eine Aufschiebung kann für die Betroffenen tödlich sein! (siehe auch Notfall).


Depression
Depressionen sind weitverbreitete psychische Störungen. Depressionen sind eine Krankheit unserer Zeit. Nur wenige wissen, dass nahezu jeder fünfte Mensch zumindest einmal im Verlaufe seines Lebens längere Zeit an einer Depression leidet. Gerade depressiv erkrankte Menschen sprechen oft aus Scham und Unsicherheit nicht offen über ihre Krankheit, sodass eine Depression oft nicht rechtzeitig erkannt wird. Es ist auch für viele Depressionsformen typisch, dass die Betroffenen sich zurückziehen und kaum noch die Kraft und Energie aufbringen, mit anderen Menschen wie dem Partner und Angehörigen zu sprechen.

Leider werden Depressionen immer noch häufig von der Umwelt nicht als Krankheit gesehen, sondern als Willensschwäche, Versagen, Mangel an Disziplin oder als seelischen Makel abgewertet. Dabei wird vergessen, dass Depressionen Krankheiten des ganzen Menschen sind. Sie verändern tiefgreifend den Stoffwechsel und andere wichtige Körperfunktionen, ebenso wie die Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen den Mitmenschen gegenüber.

Depression und Trauer sind nicht dasselbe, auch wenn sie sich (zumindest anfänglich) oft ähnlich auswirken. Die Depression ist keine Traurigkeit, keine persönliche Schwäche, kein Versagen und kein persönliches Unvermögen, sondern eine Krankheit, die den ganzen Körper betrifft. Sie ist die Unfähigkeit zu trauern, weinen ist oft unmöglich, der Hals wie zugeschnürt und man empfindet einen unsäglichen Druck auf der Brust. Man mag nicht getröstet werden und möchte sich am liebsten irgendwohin verkriechen. Depressionen erscheinen in den verschiedensten Gewändern. Gefühle der Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Nutzlosigkeit treten auf. Der Schwung fehlt, die Unternehmungslust und die Lebensfreude erlahmen. Man kommt am Morgen nicht in Fahrt und schafft es kaum aufzustehen. Depressionen können auch versteckt auftreten. Dann fühlt man sich körperlich krank, leidet etwa an Verdauungs- oder Kreislaufbeschwerden, an Schwindel, Kopfschmerzen, Rückenweh usw. Erst eine genauere Untersuchung, die keine körperliche Ursache zeigt, oder das fachärztliche Gespräch bringt es dann an den Tag, dass eine Depression dahintersteckt.

Depressionen können verschiedene Ursachen haben. Sie können Folge von Schicksalsschlägen, belastenden Lebenserinnerungen oder auch einer Veranlagung sein. Sie können sich langsam über Jahre entwickeln oder fast über Nacht wie ein Naturereignis den Menschen überfallen.

Depression ist eine Erkrankung des ganzen Körpers, die behandelt werden muss und auch erfolgreich behandelt werden kann. Wir wissen, dass in der Depression vorübergehende Veränderungen im Gehirnstoffwechsel auftreten. Dabei geraten diejenigen Botenstoffe (Verbindungsträger zwischen den einzelnen Nervenzellen) aus dem Gleichgewicht, die für unsere Gedanken, Gefühle, die Körperfunktionen und unser Handeln ausschlaggebend sind.

Depressive Erkrankungen sind mit fachärztlichen Verfahren gut behandelbar - besonders wenn sie frühzeitig erkannt werden. Je nach deren Ursachen werden zur Milderung der Beschwerden auch Medikamente, sogenannte Antidepressiva verwendet. Zu deren Einsatz ist eine genaue Abklärung, Diagnose und Dosierung durch die behandelnden PsychiaterInnen notwendig, weil falsch angewandte oder falsch dosierte Medikamente mehr schaden als nützen können. Genau so wichtig ist aber auch das fachärztliche Gespräch zur Unterstützung und oft Neuorientierung des erkrankten Menschen bzw. eine intensive und oft länger dauernde Psychotherapie.  Sehen Sie auch die sehr gut organisierten Seiten von  http://www.depression.ch/   oder http://depressionen.ch/   an!


Angst und Panik
Angst ist ein normaler Bestandteil menschlichen Lebens. Sie ist wichtig, um drohender Gefahr ausweichen zu können. Angst ist die Stimmung, welche uns zur Sorge und Sorgfalt uns und unseren Mitmenschen gegenüber befähigt. Es gibt jedoch Menschen, die - ohne eigentlichen Anlass - unter übersteigerten Ängsten leiden. Bei der "Agoraphobie" (Platzangst) besteht Angst, sich an Orte, in Situationen zu begeben, in denen es scheinbar weder Fluchtmöglichkeit noch Hilfe gibt. Bei der "sozialen Phobie" (z. B. Redeangst) herrscht Angst vor Situationen, in der die Betroffenen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit anderer stehen und befürchten, etwas zu tun, was peinlich ist. Die "einfache Phobie" ist die extreme Furcht vor bestimmten Objekten (z. B. Spinnen). Bei der Zwangsstörung drängen sich wiederholt als sinnlos und lästig empfundene Gedanken oder Handlungsimpulse auf, deren Unterdrückung Angst auslöst. Und die "allgemeine Angststörung" entwickelt sich allmählich und ohne erkennbaren Anlass. Sie hält längere Zeit an, ein halbes Jahr oder länger.

Die Panikstörung ist durch immer wieder plötzliches Auftreten schwerster Angst gekennzeichnet. Daraus ergibt sich schon bald eine Angst vor der Angst, also ein eigentlicher Teufelskreis. Die auftretenden körperlichen Missempfindungen wie z. B. Atemnot, Herzrasen, Zittern, Schwitzen und Hitzewallungen usw. sind der körperliche Ausdruck der Angst und wecken natürlich wiederum die Angst, krank zu sein und etwa an einem Herzversagen sterben zu müssen. Die Folge solcher Angstzustände ist meistens ein Ausweich- und Vermeidungsverhalten: Situationen, in denen die Panik auftritt, werden gemieden, so etwa grosse Geschäfte, öffentliche Verkehrsmittel, Kinos, Theater und andere Menschenansammlungen. Damit verschwinden die Angstanfälle meistens nicht, sondern sie breiten sich aus, bis die Betroffenen das Haus nicht mehr verlassen können.

Angsterkrankungen sind weitverbreitete Störungen. Beinahe 20% aller Menschen haben schon einmal im Verlauf ihres Lebens während längerer Zeit unter Angst gelitten. Viele Betroffene sprechen aber aus Scham, Unsicherheit und Unwissen nicht oder nur "versteckt" über ihre Angstprobleme und kommen deshalb oft erst in Behandlung, wenn bereits vielfältige Komplikationen aufgetreten sind. Dabei können Angsterkrankungen durch PsychiaterInnen in der Regel gut behandelt werden, gerade wenn sie frühzeitig erkannt werden.

Sehen Sie auch die sehr gut organisierten Seiten von der Angst- und Panikhilfe Schweiz   http://www.aphs.ch

Zwänge
Zwangsdenken und Zwangshandlungen (Waschzwang, Kontrollzwang und andere) sind heute weit verbreitet. Menschen, die unter einer sogenannten "Zwangsneurose" leiden, müssen – ohne dass sie sich dagegen wehren könnten - bestimmte (meist wenig sinnvolle) Handlungen immer wieder ausführen, immer wieder dasselbe kontrollieren (Gas, Strom, Türschliessen) oder bestimmte unsinnige Gedanken immer wieder durchdenken. Dabei wissen sie genau, wie unsinnig die Handlungen und Gedanken sind, aber sie können sich nicht davon befreien. Zwänge halten die Betroffenen gefangen und ein Ausweichversuch führt zu unerträglicher Anspannung und ev. auch zu starken Angstgefühlen. Starke Zwänge können dazu führen, dass die Betroffenen zu keinen anderen Handlungen mehr fähig sind.

Zwangsprobleme sind an sich nicht isolierte psychische Störungen, sondern meistens Ausdruck einer tieferen Problematik. Zwangsprobleme sind mit neueren Psychotherapiemethoden gut behandelbar, sofern damit nicht jahrelang zugewartet wird. Oft ist aber mit einer reinen Symptombehandlung nicht gedient, d.h. es genügt oft nicht, nur die Zwangsprobleme "weg zu bekommen" ohne sich gleichzeitig auch mit den tiefer liegenden Ursachen zu beschäftigen. Letztere verlangen eine intensivere und aufwendigere Therapie.
 

Alterskrankheiten
Die Alterspsychiatrie geht deutlich über den heute viel verwendeten Begriff "Alzheimererkrankung" hinaus. Sie umfasst auch Gemütserkrankungen, Ängste, Lebenskrisen, Selbstmordgefahr, Suchtprobleme, die im Alter auftreten können. Die zweite grosse Gruppe sind ältere chronisch Psychischkranke (Menschen, die schon vor dem Alter von einer psychiatrischen Erkrankung betroffen sind), deren Zustand sich verschlimmert, zum Beispiel durch zusätzliche körperliche Erkrankungen oder Verlusterlebnisse. Weil heute viele Menschen alt werden, erkranken gesamthaft auch mehr. 20 bis 25 Prozent der über 65jährigen, darunter vor allem die Hochbetagten, sind psychisch krank. In der Region Winterthur sind dies etwa 10 000 Personen, von denen aber nicht alle behandlungsbedürftig sind. Die meisten älteren Psychischkranken haben zusätzlich noch eine oder mehrere körperliche Krankheiten und Behinderungen. Darum braucht es eine gute Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Psychiatern, Neurologen und den entsprechenden Institutionen (Spitäler, Krankenheime).

Der Psychiater bietet Abklärung und Behandlung sowie Beratung (vor allem auch der betreuenden Angehörigen und Pflegepersonen). Viele Beschwerden lassen sich ursächlich behandeln oder zumindest lindern. Wichtig ist eine frühzeitige ärztliche Abklärung. Durch eine gute Betreuung und Unterstützung der Angehörigen ist es heute möglich, auch psychisch leidenden alten Menschen eine angemessene Lebensqualität zu bieten.

Schizophrenie
Schizophrenie gehört zu den sogenannten Psychosen (Geisteskrankheiten) und ist heute psychiatrisch gut behandelbar, aber nicht heilbar (die Krankheit heilt in vielen Fällen spontan). Schizophrenien sind ernsthafte seelische Erkrankungen, bei welchen vor allem die Beziehung zur Wirklichkeit und zu den Mitmenschen verändert ist. Sie Ursache der Erkrankung ist bis heute nicht geklärt. Etwa 1% der Bevölkerung erkrankt irgendwann einmal im Leben an Schizophrenie, diese Verteilung wird in allen Kulturen gleich beobachtet.

Die Schizophrenie gibt es eigentlich nicht. Man nimmt heute an, dass die vielen verschiedenen Zustandsbilder der Schizophrenie verschiedene psychische Krankheiten sind, die zwar alle eine gewisse Ähnlichkeit haben und auch mit ähnlichen Mitteln behandelt werden können.

Zu den Symptomen (die Art wie sich die Krankheit ausdrückt) gehören:

  • Störungen des Denkens und Sprechens (blockiert, sprunghaft, nicht zusammenhängend, Wortneubildungen; Überzeugung dass die Gedanken hörbar werden, dass durch fremde Personen Gedanken eingegeben oder entzogen werden, dass die Gedanken ausgebreitet werden, d.h. alle können die Gedanken des Erkrankten wissen)

  • Verhaltensstörungen (Zustände zwischen völliger Erstarrung bis zur Raserei/Tobsucht)

  • Halluzinationen (einzelne bis alle Sinne betreffende "Wahrnehmungen", die nicht äusseren Sinnesreizen entsprechen, für den Betroffenen jedoch Realitätscharakter haben, z.B. Stimmenhören)

  • Wahnideen (z.B. Verfolgungswahn, also die Überzeugung von jemandem verfolgt zu werden, ohne dass dies der Realität entspräche).

Die Zustandsbilder der Schizophrenie variieren von völliger Zurückgezogenheit (verschrobene Sonderlingshaftigkeit) bis zum völligen VerRücktSein. Die Erfahrung zeigt, dass die Prognose (Verlaufsvorhersage) der Schizophrenie umso besser ist, je verrückter das akute Zustandsbild des Erkrankten ist.

Schizophrene Zustände sind mit Medikamenten (den sogenannten Neuroleptika) besserbar und Rückfälle können damit vermieden oder zumindest reduziert werden. Patienten, die ihre richtig verordneten Medikamente regelmässig einnehmen und in regelmässiger Behandlung bei einem Psychiater oder einer Psychiaterin stehen, haben gute Chancen, ein einigermassen normales Leben zu führen. Allerdings machen ihnen die Nebenwirkungen der Medikamente (Bewegungsstörungen, Müdigkeit) oft zu schaffen. Es werden laufend neue Neuroleptika entwickelt, die weniger Nebenwirkungen bei gleicher oder besserer Wirksamkeit haben.

Gesellschaftliches Stigma des „Schizophrenie-Begriffs“ (NZZ 18. Februar 2018)

«Der Schizophrenie-Begriff ist unter Druck», sagt Paul Hoff, Chefarzt und stellvertretender Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Zürich - dort, wo ihn der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler 1908 schuf, «und zwar von zwei unterschiedlichen Strömungen.» Zum einen gebe es Kritik wegen des gesellschaftlichen Stigmas, das dem Schizophrenie-Begriff anhaftet. Zum anderen seien es wissenschaftliche Überlegungen, die das Krankheitskonzept selber infrage stellen: «Gibt es die Schizophrenie tatsächlich? Oder sind unsere Diagnosen vielmehr Konventionen, die wir, drastisch gesagt, ‹erfinden›?», erklärt Hoff.

In Japan war es die Stigmatisierung, unter der Patienten und ihre Angehörigen litten, die zur Umbenennung führte. Mehrere Mordfälle, die in den 1980er Jahren von Personen mit einer möglichen Schizophrenie-Diagnose verübt worden waren, hatten zum Stereotyp des unheilbaren und gefährlichen Schizophrenie-Kranken geführt. 2002 verfügte das Ministerium für Wohlfahrt und Arbeit per Erlass, anstelle des Ausdrucks ‹gespaltener Geist› fortan ‹Störung der Einheit des Selbst› zu verwenden.

Konnten Diskriminierung und Stigmatisierung so bekämpft werden? In einer 2016 publizierten Studie untersuchten Forscher der Universität von Tokyo, wie Zeitungen zwischen 1992 und 2012 über die Krankheit berichteten («Schizophrenia Research» Bd. 175 S. 193). Tatsächlich nahm die Anzahl der Artikel, in denen das Leiden in einem negativen oder gar gefährlichen Kontext vorkam, nach der Umbenennung stark ab.

Negative Stereotype sind auch in der hiesigen Presselandschaft weit verbreitet. «Ein Schizophrener versucht im Wahn, seine Mutter zum Sprung in den Tod zu zwingen», titelte jüngst die NZZ. Doch verschwindet ein Stigma tatsächlich, indem man eine Krankheit mit einem neuen Namen versieht? Was, wenn nicht der Name, sondern die Krankheit selbst Ursache der Stigmatisierung ist? Paul Hoff ist skeptisch. «Ich glaube nicht, dass die Umbenennung alleine helfen wird, denn die mit der Krankheit assoziierten negativen Stereotypen könnten sich mit der Zeit auch mit einem neuen Begriff wieder entwickeln», sagt er. Wichtiger sei eine ‹Entkatastrophisierung› des Begriffs: «Die Diagnose darf nicht das Gefühl auslösen: Jetzt ist mein Leben zu Ende. Das darf nicht sein.»

Genau dies strebt Jim van Os, Psychiater an der Universität Utrecht in den Niederlanden, an. In einem vielbeachteten Aufsatz  Der langsame Tod des Schizophrenie-Konzepts und die schwere Geburt des Psychose-Spektrums  forderte er jüngst die Abschaffung des Schizophrenie-Begriffs. «Kaum eine andere Diagnose in der Medizin wird mehr gefürchtet als die der Schizophrenie», sagt er. «Der Begriff weckt die schlimmsten Emotionen von Hoffnungslosigkeit, Angst und Mitleid.»

Dabei sei unsere Vorstellung, dass es sich um eine verheerende Hirnerkrankung mit unabwendbar schlechter Prognose handelt, vollkommen falsch. «Nur bei einer Minderheit der Betroffenen sieht man einen schlechten Verlauf», sagt van Os. Psychotische Symptome seien in der Gesellschaft viel weiter verbreitet als bisher angenommen.

Van Os plädiert dafür, für die Schizophrenie das Konzept des Spektrums einzuführen, ähnlich wie das in den letzten Jahren bei Suchterkrankungen oder Autismus geschah. «Vor zehn Jahren kannte man Autismus als sehr seltene, sehr schwere Störung. Doch dann begann man vom Autismus-Spektrum zu reden. Es gibt Leute mit leichter Ausprägung, andere mit schwerer Ausprägung, und es hängt alles davon ab, in welchen Umständen man sich befindet, ob ein bisschen Autismus von Vorteil oder von Nachteil ist.»

Analog fordert van Os die Einführung des Begriffs ‹Psychose-Spektrum›: «Psychische Krankheiten sind Teil der menschlichen Variation, sie äussern sich nicht in Schwarz oder Weiss, vielmehr bewegen sie sich auf einem Kontinuum und sind veränderbar.»

Van Os ist längst nicht der Einzige, der das Ende der Schizophrenie kommen sieht. «Ich glaube, dass nicht nur der Schizophrenie-Begriff, sondern auch das zugrunde liegende Schizophrenie-Konzept in 100 Jahren nicht mehr in Gebrauch sein wird», schreibt der deutsche Psychiater Ludger Tebartz von Elst in seinem 2017 erschienenen Buch «Vom Anfang und Ende der Schizophrenie».

Deutlich schneller erwartet Robin Murray, Professor für Psychiatrie am King’s College in London, die Abschaffung: «Es würde mich erstaunen, wenn der Schizophrenie-Begriff noch zehn Jahre überlebt.» Laut Murray ist das Konzept der Schizophrenie schon lange in Auflösung begriffen. «Früher glaubte man, die Schizophrenie sei eine eigenständige Krankheit, so als gäbe es ein Gen, das die Krankheit verursache.» Doch inzwischen kenne man über 100 Gene, die mit dem Leiden in Verbindung gebracht werden.  Entsprechend zerfalle die Krankheit in immer mehr Einzelteile. «Manche Fälle werden durch Kindheitstraumata begünstigt, andere durch überzählige Genkopien, wieder andere durch Cannabisgebrauch oder Infektionen.» 

Tatsächlich tappt die Psychiatrie noch weitgehend im Dunkeln, wenn es um präzise Diagnosestellungen geht. Im Unterschied zu Herzkrankheiten, Krebs oder Aids, deren Diagnose auf objektiv messbaren Parametern basieren, fussen psychiatrische Diagnosen nach wie vor in erster Linie auf klinischen Symptomen. Doch Symptome missachten diagnostische Grenzen, denn sie kommen bei verschiedenen Leiden vor. So treten etwa Halluzinationen bei Schizophrenie, bipolarer Störung, Depression - und selbst bei Gesunden auf.

Grosse Hoffnungen setzt man derzeit in neurowissenschaftliche Methoden wie MRI und EEG. Sie sollen helfen, psychiatrische Diagnosen auf eine wissenschaftlichere Basis zu stellen. Dabei steht schon jetzt fest, dass die Krankheitskategorien, so wie sie im 20. Jahrhundert begriffen wurden, nicht bestehen bleiben werden.

Doch kann eine biologische Herangehensweise Krankheiten wie Psychosen gerecht werden? «In der Psychiatrie sind auch Dinge relevant, die man nicht messen kann», sagt Paul Hoff. Wie fühlt es sich eigentlich an, paranoid zu sein? Was erlebt der Patient subjektiv? «Diese Frage kann Ihnen keine Messung abschliessend beantworten.»

Die Schizophrenie berührt das Wesen des Menschseins, in ihr manifestieren sich Fragen des Denkens, Fühlens und Erlebens, des Andersseins. «Im Begriff ‹Schizophrenie› bündeln sich nahezu alle Kernfragen der Psychiatrie», sagt Paul Hoff. «Man kann den Schizophrenie-Begriff schon abschaffen. Was man nicht tun sollte, ist auch die ganze diesbezüglich Denktradition der letzten 100 Jahre verwerfen.»  

1893 führte der deutsche Psychiater Emil Kraepelin den Begriff Dementia Praecox («vorzeitige Verblödung») im deutschen Sprachraum ein. Er meinte damit eine im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter beginnende unheilbare psychotische Erkrankung mit fortschreitendem Verlauf. Der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler zeigte auf, dass längst nicht alle Psychosen in einer «Verblödung» endeten und sprach 1908 erstmals von der «Gruppe der Schizophrenien», die einen vielgestaltigen Verlauf aufweisen. Doch inzwischen wird Schizophrenie oft wieder als verheerende Hirnerkrankung mit schlechter Prognose begriffen, obschon dies nur für eine Minderheit der Betroffenen zutrifft. Jetzt fordern Psychiater eine Umbenennung der Schizophrenie in die Psychose-Spektrum-Störung.


Psychosomatische Erkrankungen
Psychosomatik ist die Lehre von den wechselseitigen Beziehungen zwischen Körper (Soma) und Seele (Psyche), über die Zusammenhänge, den Verlauf und die Behandlung von Krankheiten.

Der Mensch ist nie nur körperlich oder nur psychisch krank, immer ist er als Ganzes betroffen. Das zeigt sich auch deutlich in den bildhaften Ausdrücken der Umgangssprache. Man kann etwas "nicht schlucken", es "liegt einem auf dem Magen", man hat "eine Wut im Bauch", man kann etwas "nicht verdauen" oder es "kommt einem die Galle hoch", es "bricht einem das Herz" und anderes mehr.

Als psychosomatische Krankheiten im engeren Sinne gelten unter anderem Asthma, Magengeschwüre, Darmgeschwüre, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Ekzeme, aber auch Erkrankungen der Herzkranzgefässe und damit auch der Herzinfarkt.

Daneben gibt es auch sogenannte funktionelle Körperstörungen, womit körperliche Beschwerden gemeint sind, die (noch) nicht auf körperlichen Veränderungen beruhen. Dazu sind zu zählen: Bauchweh, Muskelverspannungen und viele Formen von Schmerzen.

Aus obigen Angaben ergibt sich, dass PsychotherapeutInnen gute Kenntnisse aus der somatischen (körperlichen) Medizin haben müssen. Am besten geeignet sind darum ärztliche PsychotherapeutInnen, also Psychiater und Psychiaterinnen.

Essstörungen
Zu den bekannten Essstörungen zählen die Pubertätsmagersucht (Anorexia nervosa), die Ess-Brechsucht (Bulimie) und die Esssucht (Adipositas und Adipositas permagna).

Pubertätsmagersucht: Dieses Krankheitsbild ist seit Jahrhunderten bekannt, hat aber in den letzten 40 Jahren in den westlichen Industrienationen deutlich zugenommen. Frauen sind zehnmal mehr betroffen als Männer. Es besteht ein Zusammenhang mit dem übertriebenen Schlankheitsideal unserer Kultur. Magersüchtige sind meistens sehr intelligent, übermässig sportlich aktiv und sie essen wenig, nehmen ständig ab und haben trotzdem das Körpergefühl, zu dick zu sein. Ohne therapeutisches Eingreifen würden sie sich buchstäblich zu Tode hungern und selbst bie therapeutischen Interventionen verläuft die Krankheit noch häufig tödlich.

Ess-Brechsucht: Wiederum sind viel häufiger Frauen als Männer betroffen. Junge Menschen erleben Phasen von Heisshunger, in denen sie alle erreichbaren Esswaren in sich hineinstopfen. Anschliessend suchen sie die Toilette auf, um alles wieder zu erbrechen. Oft weiss niemand ausser die betroffene Person von dem Leiden, das oft erst durch den Zahnarzt diagnostiziert wird, weil nämlich durch das ständige Erbrechen durch die Magensäure die Zähne massiv beschädigt werden.

Übergewicht: Dafür werden von den Betroffenen häufig "Stoffwechselstörungen" geltend gemacht. Solche sind in der Tat aber eher selten. Übergewicht ist ein "Bilanzproblem": es werden mehr Kalorien zu sich genommen, als verbraucht werden. Eine wichtige Ausnahme ist allerdings das Übergewicht als Folge langdauernder Psychopharmakaeinnahme, die aus heute noch ungeklärten Gründen zur Gewichtszunahme führen kann. Starkes Übergewicht ist ansonst  meistens die Folge von zu hochkalorischem Essen (Fastfood) und zu wenig Bewegung . Oft müssen Betroffene auch Enttäuschungen und Unzufriedenheit, also seelische Entbehrungen, durch Essen ersetzen. Sie legen sich buchstäblich einen Panzer zu, um sich gegen Kränkungen und seelische Verletzungen zu schützen.

Obwohl Essstörungen das ganze Leben der Betroffenen dominieren, suchen längst nicht alle Leidenden eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten auf. Anorexie und Bulimie sind heimliche Süchte, die vor anderen Menschen lange verborgen werden können.

Süchte
Unter Sucht, oder besser "Abhängigkeit" (Definition der WHO), versteht man den unwiderstehlichen Drang, ein Suchtmittel einzunehmen, um entweder ein Gefühl des Wohlbefindens zu erzielen, oder um Missempfindungen auszuschalten.

Folgende Stoffgruppen können zu einer Abhängigkeit führen: Morphine, Barbiturate, Alkohol, Kokain, Cannabis, Amphetamine (Aufputschmittel), Halluzinogene (LSD), Schnüffelstoffe (Lösungsmittel); ausserdem Medikamente wie z.B. Tranquillizer (Beruhigungsmittel) und Schlafmittel. Es wird zwischen körperlicher und seelischer Abhängigkeit unterschieden; zur Abhängigkeit gehören Toleranzsteigerung (Dosiserhöhung) und körperliche Entzugserscheinungen beim Absetzen sowie ein gesteigertes Verlangen mit zentriertem Denken, das vorwiegend um die Droge kreist. Die Übergänge zwischen Missbrauch und Abhängigkeit sind fliessend. Zum Entstehen einer Abhängigkeit bedarf es einer persönlichen Disposition (Veranlagung), eines speziellen materiellen und sozialen Umfeldes und Milieuveränderungen als Auslöser von Krisen.

Obwohl heute viel von der "Drogensucht" gesprochen wird und darunter der Missbrauch von Opiaten (vor allem Heroin), Kokain, LSD, Designerdrogen (Ecstasy) und Cannabis verstanden wird, darf nicht übersehen werden, dass die Alkoholabhängigkeit heute immer noch weitaus das grösste Suchtproblem mit den meisten Todesfällen und den höchsten Sozial- und Gesundheitskosten darstellt.

Als weitere Abhängigkeiten gelten Rauchen, Spieldrang, übermässiges Essen, aber auch die sogenannte Arbeitssucht.

Suchtbehandlungen gehören zum Tätigkeitsfeld der ärztlichen Psychotherapie, weil grundlegende medizinische Kenntnisse zur Betreuung der Betroffenen unabdingbar sind und sehr häufig auch vorübergehend Medikamente eingesetzt werden müssen. Oft muss einer ambulanten Suchtbehandlung eine stationäre Entwöhnung und Behandlung vorangehen, die bei einer lang dauernden Abhängigkeit mehrere Wochen bis Monate dauert und meistens in Spezialkliniken durchgeführt wird.

Schlafprobleme / Regeln der Schlafhygiene zu beachten bei Schlafstörungen

  • Es ist unbedingt notwendig, regelmässig zu einem festgesetzten Zeitpunkt aufzustehen (der Schlaf-Wach-Rhythmus richtet sich nach einem einzigen Zeitpunkt).    

  • Der Zeitpunkt des Zubettgehens kann variieren, doch sollte man müde genug sein, wenn man sich schlafen legt.

  • Vor dem Schlafengehen sind intensive körperliche oder geistige Anstrengungen und Aufregungen (TV) wie zuviel blaues Licht (Monitor, TV) zu meiden. Empfohlen werden erholsame und entspannende Tätigkeiten (u.a. Abendspaziergang).

  • Üppige Mahlzeiten und Stimulantien (Kaffee, Schwarztee, Nikotin, Cola) sollten am Tagesende vermieden werden. Alkohol ist ein schlechter Freund; er fördert zwar das Einschlafen, beeinträchtigt dafür aber den Schlaf in der Mitte und am Ende der Nacht.

  • Sorgen Sie für eine angenehme Schlafumgebung (Lärmpegel, Temperatur, Feuchtigkeit).

  • Bleiben Sie nicht im Bett, wenn Sie nicht schlafen können. Bleiben Sie nach dem morgendlichen Erwachen nicht im Bett liegen (siehe erster Tip). Nachdösen macht wieder müde und schlapp.