Therapieformen

Tiefenpsychologische Behandlung
Nicht selten ist seelisches Leiden Folge einer ungünstigen Persönlichkeitsentwicklung, die bis in die Kindheit zurückgeht. Solche Menschen klagen oft nicht über deutlich fassbare Probleme, sondern über eine allgemeine Lebensunzufriedenheit, Einsamkeit, Beziehungsängste usw. oft verbunden mit depressivem Erleben, Sinnlosigkeitsgefühlen und Minderwertigkeitsgefühlen.

Dass solche Zustände auf Medikamente, Verhaltenstherapie, Autogenes Training etc. - wenn überhaupt - oft nur für kurze Zeit bessern, ist für psychotherapeutisch Tätige nicht überraschend. Diese sogenannt „zudeckenden“ Methoden (weil sie die Gründe des Leidens nur zudecken und nicht beheben) haben ihre Anwendungsberechtigung bei klar umschriebenen psychischen Problemen, nicht aber bei langdauernden Persönlichkeitsstörungen. Hier sind psychoanalytische (tiefenpsychologische) Methoden angezeigt.

Die Tiefenpsychologie geht auf Freud zurück, der um die vorletzte Jahrhundertwende eine Therapiemethode erfand, die heute in vielen Modifizierungen von PsychotherapeutInnen oft angewendet werden. Bei näherem Interesse werden Sie auf viele verschiedene Psychotherapierichtungen stossen, seien es die klassische „Psychoanalyse“, die Analyse nach Jung, die Daseinsanalyse und viele andere. Therapieforschungen haben gezeigt, dass weniger die Ausbildungsrichtung einer tiefenpsychologisch tätigen Fachperson für den Therapieerfolg massgebend ist, als viel mehr deren Ausbildungsstand und vor allem deren eigene Persönlichkeit.

TiefenpsychologInnen (sogenannte „PsychoanalytikerInnen“) haben selber mindestens eine tiefenpsychologische Behandlung hinter sich, sei dies, dass sie früher wegen eigenen Problemen eine solche gesucht oder sich einer sogenannten Lehranalyse unterzogen haben. Mit dieser Selbsterfahrung ist gewährleistet, dass nicht eigene Probleme der Therapeuten die Behandlung stören.

Krisenintervention
Mit Krisenintervention ist eine kurzfristige Hilfe in einer Notlage gemeint. Sie ist also keine Langzeittherapie, kann aber der Beginn dafür sein. Ausgelöst kann die Notlage durch seelische Krisen sein, durch eine akute Verschlechterung einer bestehenden psychischen (aber auch körperlichen) Erkrankung, durch Arbeitslosigkeit, Beziehungs- und Wohnprobleme oder durch Selbstmordgefahr.

Wenn Sie in einer solchen Notlage sind, in der Sie nicht mehr weiterwissen, so rufen Sie bitte an. Es ist viel besser, einmal zuviel als zu wenig anzurufen. Ich werde versuchen, mit Ihren Angaben am Telefon einen Eindruck Ihrer Situation zu gewinnen, um Sie allenfalls innert kurzer Zeit in der Praxis zu sehen oder Ihnen eine/n geeignete/n Therapeutin/en zu suchen. In gewissen Situationen mache ich auch Hausbesuche. Natürlich sollen auch Angehörige oder Bekannte sich melden, wenn die Betroffenen dies nicht selber können, letztere sollten aber immer darüber informiert werden.

Medikamente
In der Behandlung schwerer psychischer Störungen nehmen Medikamente, sogenannte Psychopharmaka, einen zentralen Platz ein. Häufig ermöglicht erst eine medikamentös erzielte Besserung die Anwendung anderer Behandlungsverfahren. Gesundes Verhalten, individuelles Wohlbefinden, soziale Integration, Bewältigung lebensgeschichtlich- und situationsbedingter Konflikte und Probleme können zwar oft nicht allein durch eine Reduktion der Beschwerden mittels Medikamenten erreicht werden, setzen diese aber voraus.

Psychopharmaka sollen nie alleine angewandt werden, sondern immer verbunden mit einer psychotherapeutischen Begleittherapie (sogenannt „kombinierte Behandlung“). Folgende Störungen werden bevorzugt kombiniert behandelt:

  • Bei Schizophrenie helfen Medikamente (Neuroleptika) den Patienten gegen ihre Ängste, gegen ihre Verwirrtheit und zur sozialen Wiederintegration.
  • Bei mittelschweren und schweren Depressionen, die das Leben der Betroffenen einschränken, werden mit Vorteil Antidepressiva eingesetzt.
  • Gelegentlich erfordern hartnäckige Schlafstörungen etwa bei Depressionen den vorübergehenden Einsatz von Schlafmitteln (Hypnotika). PsychiaterInnen verhalten sich diesen Medikamenten gegenüber jedoch generell eher zurückhaltend. Es gibt auch gewisse Antidepressiva, die sich als „Schlafmittel“ gut bewähren.
  • Angsterkrankungen und gelegentlich auch Panikattacken sprechen gut auf Antidepressiva auf, auch werden hier (wegen Abhängigkeitsgefahr sorgfältig überwacht) zu Beginn der Therapie Anxiolytika (Beruhigungsmittel) eingesetzt.
  • Schwere Zwangserkrankungen erfordern zu Therapiebeginn oft eine medikamentöse Unterstützung der Psychotherapie mit Neuroleptika und Antidepressiva.

Die PsychiaterInnen werden Sie genau über den Sinn, die Wirkung und auch über die Nebenerscheinungen der verordneten Medikamente orientieren. Scheuen Sie sich nicht, zusätzliche Fragen zu stellen und Unklarheiten und Ihre allfälligen Bedenken anzusprechen. Halten Sie sich aber genau an die verordnete Medikamentendosis und orientieren sie Ihren Arzt bzw. ihre Ärztin sofort bei unklaren Beschwerden, die mit dem Medikament in Zusammenhang stehen könnten. Informieren Sie auch immer andere Sie behandelnde ÄrztIn-nen (Hausarzt, GynäkologIn usw.) über die eingenommenen Medikamente, damit nicht durch unerwünschte Medikamentenkombinationen Ihnen Schaden enstehen kann.

Sollen Patienten die Beipackzettel zu den Medikamenten lesen? Ich täte es eher nicht! Die darin enthaltenen, weil gesetzlich vorgeschriebenen "Informationen" führen meistens mehr zur Verwirrung als zu gutem Wissen. Sie wirken häufig negativ auf die Medikamentenwirkung, weil beim Lesen Ängste und Unsicherheiten entstehen. Wenn Sie es dennoch tun: sprechen Sie ihren Arzt / Ihre Ärztin unbedingt auf Unklarheiten und Ängste an.

Zu den Psychopharmaka zählen:

  • Neuroleptika (beruhigend, angstlösend, gegen schizophrene Symptome)
  • Antidepressiva (gegen depressive Verstimmungen)
  • Anxiolytika, meistens sogenannte Tranquilizer (angstlösend, beruhigend)
  • Hypnotika (Schlafmittel)
  • Psychostimulantien (aktivierende Medikamente)
  • Lithium (als Langzeit-Vorsorge gegen manische und depressive Störungen)
  • Antiepileptica (ursprünglich Medikamente gegen Epilepsie) zur Mitbehandlung/Langzeitvorsorge bei manischen und depressiven Störungen

Autogenes Training
"Autogenes Training" (AT) ist ein Entspannungsverfahren, das auf den Psychiatrieprofessor J.H.Schultz zurückgeht. Es gleicht in einigen Aspekten dem "Yoga", entspricht aber dem abendländischen Denken und Körpergefühl mehr und kann zu medizinischen und psychotherapeutischen Zwecken angewendet werden. AT hat immer auch einen starken Einfluss auf körperliche Vorgänge und sollte darum seriöserweise nur von Medizinalpersonen unterrichtet werden. Gewisse körperliche und psychische Störungen und Krankheiten sind für das AT eine Gegenindikation und können bei falscher AT-Anwendung zu ernsthaften Problemen führen. Wie ein Medikament hat AT bei unsachgemässer Anwendung und Instruktion auch unerwünschte Nebenwirkungen.

AT kann bei fehlender Gegenindikation eigentlich von jedem Menschen erlernt werden, es braucht dazu nicht eine besondere "Intelligenz" und andere Fähigkeiten ausser dem Willen, regelmässig zu üben und auch dies nur wenige Minuten pro Tag. Auf gelegentlich angewendete Hilfsmittel wie etwa Tonbandkassetten sollte verzichtet werden, weil die Anwendung des AT sonst von diesen Hilfsmittel abhängig ist.

AT wird angewendet bei Schlafstörungen, Angst, Unruhe und Nervosität, bei Prüfungsängsten, Stressgefühlen usw. Zur Unterstützung der Behandlung körperlicher Erkrankungen wie etwa hoher Blutdruck und Schmerzzustände hat sich das AT gut bewährt.

Das AT ist aufgegliedert in eine Unter-, eine Mittel- und eine Oberstufe. Medizinische Anwendung als Entspannungstherapie erfährt nur die Unterstufe, währenddem die Oberstufe etwa zur Meditation dient.